Mittwoch, 9. November 2011

Das Einkommen der Vorstände

Das Einkommen der Vorstände ist in vielen Genossenschaften ein Tabu-Thema.

Ich halte Transparenz für geboten. Die im DAX vertretenen Firmen können hier als Vorbild dienen. Auch ist einige Zeit vergangen, bis Transparenz hergestellt wurde.

Die Bezüge der Vorstände, aber auch der Verdienst der Beschäftigten in den Wohnungsbaugenossenschaften, werden aus den Nutzungsentgelten bezahlt. Die Genossenschaftsmitglieder haben ein Recht auf Information.

Ich habe hier ein Beispiel aus der Berliner Bau- und Wohnungsbaugenossenschaft von 1892 e.G. gewählt. Auch in dieser Genossenschaft wurde über Jahre nicht transparent mit den Bezügen den Vorstände umgegangen. Auf Nachfrage seitens der Mitglieder wurden keine konkreten Angaben gemacht. Konkrete Summen werden auch aktuell noch nicht benannt.

Die genannte Genossenschaft weist als eine Besonderheit auf, dass sie über eine Spareinrichtung verfügt. Auf Grund bankenrechtlicher Vorschriften ist die Genossenschaft verpflichtet Angaben zu veröffentlichen.

Auf der Internetseite dieser Genossenschaft kann das Einkommen der Vorstände ermittelt werden. Das ist zuerst einmal zu loben. In der Praxis wird es dann aber ein wenig schwieriger.

Die Erläuterung der Einkommen „versteckt“ sich im Aufbau des Internetauftritts. Wer zielgerichtet sucht, wird fündig werden, aber durch Zufall wird man eher nicht auf diese Information stoßen.

Weitere Schwierigkeit bereitet, dass keine konkreten Zahlen genannt werden, stattdessen Berechnungsformeln.

Und noch eine Schwierigkeit kommt hinzu. Zur Berechnung wird der aktuelle Vergütungstarifvertrag benötigt. dieser muss aber bei den entsprechenden Tarifvertragsparteien angefordert werden, im Internet befindet sich nur ein Ausschnitt.

Somit sind erst einmal einige Hürden zu überwinden, bis der Interessierte zu einem Ergebnis gelangen kann.

Aus dem Text, zu dem ich nach einigen Mühen gelangt bin, ist zu entnehmen, dass die Vorstandsmitglieder für das Kerngeschäft der Genossenschaft das 2,6-Fache eines Angestellten der Tarifgruppe 6 und für das Betreiben der Spareinrichtung bei Vorliegen der Geschäftsleiterqualifikation zusätzlich das 0,6-Fache eines Angestellten der Tarifgruppe 6 erhalten.

Im Ergebnis heißt das, das ein Vorstand das 2,6 fache eines Angestellten der Tarifgruppe 6 erhält. Der Vorstand, der für das Betreiben der Spareinrichtung zuständig ist, erhält zusätzlich das 0,6 fache eines Angestellten der Tarifgruppe 6.
Ausgehend vom aktuellen Vergütungstarifvertrag (Tarifgruppe 6) ist der Ausgangsbetrag 4325,- Euro (ab 10 Jahren Betriebszugehörigkeit). Dies bedeutet, das ein Vorstand 11245, Euro im Monat erhält, der andere Vorstand (zuständig für die Spareinrichtung) 13840,- Euro.

Laut Tarifvertrag besteht zusätzlich Anspruch auf ein 100 % Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Falls die Vorstände diesen Anspruch ebenfalls haben sollten, so ergibt sich nach meinen Berechnungen ein Jahresverdienst von 157 430,- Euro bzw. 193 760,- Euro.
Aber selbst ohne Weihnachts- bzw. Urlaubsgeld ergibt sich ein Jahreseinkommen von
134 940,- Euro bzw. 166 080,- Euro.

Ein Vorstandsteam kostet die Wohnungsbaugenossenschaft somit mindestens 300 000,- Euro im Jahr.

Es ist aus meiner Sicht unstrittig, das für eine verantwortungsvolle und gute Arbeit auch ein gutes Einkommen erzielt werden sollte. Über die Angemessenheit der Betragshöhe kann diskutiert werden.

In jedem Falle sollte für ein gutes Einkommen auch eine gute Dienstleistung zu erwarten sein, eine Dienstleistung im Interesse der Mitglieder der Genossenschaft.
Auf jeden Fall sollte Transparenz in dieser Frage hergestellt werden. Jedes Mitglied einer Wohnungsbaugenossenschaft sollte das Recht haben, ohne große Umstände, die Höhe der Gehälter zu erfahren.

Zum Vergleich. Der Bürgermeister der Stadt Berlin verdient rund 150 000,- Euro im Jahr, die Bundeskanzlerin rund 250 000,- Euro und der Direktor des Zoo Berlin
130 000,- Euro.

Genossenschaftlich grüßt

Ihre

Renate Solidar

Ihre Meinung ist gefragt! Ist diese Entlohnung angemessen? Wie sieht es in ihrer Genossenschaft aus? Ist ihnen der Verdienst ihres Vorstandes bekannt?

Sonntag, 22. Mai 2011

Rauswurf aus Genossenschaft

Liebe Leserinnen und Leser,

Kritik scheint nicht gefragt.

Nachfolgend ein Link zu einem Artikel über den Rauswurf eines kritischen Mitglieds einer Genossenschaft.

http://www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen/Stadtteile/Bremen-Nord/192905/Gewosie-ahndet-Kritik-mit-Rauswurf.html

Gruß

Ihre Renate Solidar

Dienstag, 17. Mai 2011

Interessanter Link

Liebe Leserinnen und Leser,

hier wieder ein aufschlussreicher Link.

www.bmgev.de/mietrecht/urteile/detailansicht/demokratie-in-genossenschaften.html

Es ist schon sehr interessant mit welchen Methoden gearbeitet wird.

Der Vorstand einer Genossenschaft beschafft sich die Homepage einer kritischen Initiative, stellt den eigenen Inhalt ein und ist vermutlich noch stolz auf den Erfolg.

Was soll erreicht werden? Verwirrung der Leser, Verärgerung der Initiative, zusätzliche Arbeit für die Initiative, Fehlleitung der Verlinkungen?

Falls diese „Beschaffungsmaßnahme“ Geld gekostet hat, wer bezahlt solche Maßnahmen?

Mit Kritik können einige Vorstände offenbar nicht umgehen.

Statt sich mit den Vorschlägen, kritischen Anmerkungen und Hinweisen zu beschäftigen, wird die Energie (und eventuell sogar Geld) verwendet, um Kritiker mit solchen Methoden zu bekämpfen.

Die Mitglieder der betroffenen Genossenschaft und die interessierte Öffentlichkeit muss entscheiden, wie Sie derartige Verhaltensweisen beurteilen.

Wir werden den Fall weiter beobachten.

Übrigens, die Initiative hat eine neue Homepage, sie ist zu erreichen unter

http://www.genossenschaft-von-unten.eu/

Gruß

Ihre Renate Solidar

Donnerstag, 21. April 2011

Demokratie in Genossenschaften

Zum Thema "Demokratie in Genossenschaften" hier ein aufschlussreicher Link


http://www.hildennet.de/?p=2733


R.S.

Donnerstag, 25. November 2010

Abgesang und Hoffungsschimmer (Nr. 4)

"Abgesang und Hoffnungsschimmer" (Teil 4)

Teilprojekt innerhalb des Projektes "Wohnungsbaugenossenschaften 2010"

Eine Materialsammlung unter Leitung von Renate Solidar und Peter Lotter(Die vollständige Materialsammlung wird voraussichtlich im Frühjahr 2011 veröffentlicht)
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Das Wissen der Wohngenossinnen und Wohngenossen

Warum wird das Wissen, die Erfahrung, die Ideen der Mitgliedschaft nur unzureichend genutzt. Die Genossenschaftsmitgliedschaft stellt ein großes Potenzial da, welches bedauerlicherweise oft nicht genügend angesprochen wird.
Die Gründe? Vielschichtig. Zum einen ist es natürlich einfacher, wenn eine kleine Gruppe die Entscheidungen trifft. Für Entscheidungen, die eilig sind oder das Tagesgeschäft betreffen, mag das verständlich und notwendig sein. Aber für grundsätzliche Entscheidungen sieht es vollkommen anders aus.
Ja, es bedeutet einen höheren Arbeitsaufwand, die große Gruppe mit ein zu beziehen, andererseits hat die Entwicklung der Technik dazu beigetragen, dass ein Austausch heute wesentlich einfacher, schneller und kostengünstiger zu bewerkstelligen wäre, als das noch vor 10 Jahren möglich gewesen wäre.
Ein Beispiel: Der Anteil der Betriebskosten an der Gesamtmiete wird immer größer. Dieser Sachverhalt wird zunehmend beklagt, oft aber auch als Argument genutzt, hohe Mieten schönzureden, Warum also nicht die Mitgliedschaft informieren, motivieren, zur Mitarbeit anregen! Welche Ideen gibt es, Betriebskosten zu senken, welche Ideen aus der Mitgliedschaft kann man nutzen, welche Ideen sind anwendbar. Das müssen ja nicht immer die großen Entwürfe sein. Der eine weiß von einer kostengünstigen Möglichkeit, Altpapier zu entsorgen oder sogar noch Geld dafür zu erhalten, der andere macht einen Vorschlag zur Grünflächenpflege, der Dritte hat eine Idee zum Thema Hausbeleuchtung.
Die Ideensammlung kann im übrigen auch zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls beitragen. Kontakt, Austausch, Auseinandersetzung. Verwaltung, Vorstand und Mitgliedschaft kommen in Kontakt und tauschen sich aus.
Allerdings könnte das auch ein ein Risiko für einige Vorstände und Genossenschaftsverwaltungen sein! Eine aktive Mitgliedschaft beäugt selbstverständlich auch die Arbeitsweise von Verwaltung und Vorstand kritisch. Aber warum auch nicht! Auch auf die Arbeit von Verwaltung und Vorstand bezogen, können Ideen entwickelt werden. Konstruktive Kritik, die zur Stärkung der Genossenschaft beiträgt, sollte hochwillkommen sein.

Dienstag, 9. November 2010

Abgesang und Hoffnungsschimmer Nr. 3

"Abgesang und Hoffnungsschimmer" (Teil 3)

Teilprojekt innerhalb des Projektes "Wohnungsbaugenossenschaften 2010"

Eine Materialsammlung unter Leitung von Renate Solidar und Peter Lotter
(Die vollständige Materialsammlung wird voraussichtlich im Frühjahr 2011 veröffentlicht)

Demokratie in Genossenschaften

In vielen Genossenschaften existiert eher eine gelenkte Demokratie bzw. eine Demokratie die sich anlehnt an die Beschreibung von Colin Crouch, eine Zuschauerdemokratie. Die Demokratie als reine Schauveranstaltung, bei denen Demokratie nur gespielt wird. Alle Regularien werden eingehalten, aber nur schlichte Gemüter können dies für tatsächliche Demokratie halten. Die anderen wissen der Dinge, aber mangels Alternative entsteht keine Gegenwehr, bestimmt auch durch den Glauben, das ein allgemeines Einverständnis zu diesem Spiel besteht. Bedenklich wird die Sache, wenn es zu wirklichen Problemen kommt und einige versuchen, echte Demokratie einzufordern. Dann beginnt ein mühsamer Weg und verlernte Dinge müssen mühsam wieder angeeignet werden.
Für die, die „lenken“, ist diese Form der Demokratie natürlich sehr reizvoll, zu mindestens solange sie in den entsprechenden Positionen sitzen und nicht selbst durch diese gelenkte Demokratie behindert werden. Solange alles gut für die Organisation Genossenschaft und deren Mitglieder läuft, wird das Problem nur selten sichtbar. Was aber, wenn Probleme auftreten oder unterschiedliche Auffassungen bestehen, was aber, wenn Missbrauch mit dieser gelenkten Demokratie betrieben wird.

(Aufzeichnungen von P.Lotter nach einem Gespräch mit Vertretern einer Genossenschaft)

Sonntag, 7. November 2010

Nach traurigem Beginn hoffnungsfroh weiter

Lieber Leserinnen und Leser,

Textauszug 1 war noch ein wenig traurig, Textauszug 2 ein wenig mit Hoffnung verbunden. Ich hoffe Sie lassen sich nicht entmutigen.
Abgesang und Hoffungsschimmer, der Titel des Teilprojektes verspricht eben gerade auch Episoden, die mit Hoffung verbunden sind.
Bleiben Sie dran!

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Dankbar sind wir auch für Ihren Erlebnisbericht, Ihre Erfahrungen aus dem Genossenschaftsleben sind wertvoll.

Senden Sie uns einfach eine e-mail: genossenschaftunddemokratie@gmx.de

Es grüsst Sie recht herzlich

Ihre

Renate Solidar